Hintergründe und Berichte
Triumph in Burma : Echt bombenhafte Unterhosen (18.01.01)
von Chantal Thévenoz, 18. Januar 2001, Artikel übersetzt aus dem Hebdo
Lausanne, 18.01.2001 - Der Schweizer Wäschemulti produziert in Burma auf einem Gelände, das von den Militärs gemietet ist. Die Arbeiter verdienen 26 Dollar monatlich bei einer Wochenarbeitszeit von 48 Stunden. |
Wenige Kilometer nördlich des internationalen Flughafens von Rangoon liegen 260 ha ehemaliges Militärgelände, heute eine Industriezone. Die UMEH, eine von den Militärs beherrschte Holdinggesellschaft, verwaltet dort mehrere Kleiderfabriken. Sie erstellt auch Industrieanlagen für ausländische Investoren. Unter ihren Mietern findet sich auch die Myanmar Triumph International. Der Schweizer Multi hat sich hier in Mingaladon niedergelassen, um von der einmaligen Arbeitskraft zu profitieren. 'Die Arbeiter von Burma gehören zu den am schlechtest bezahlten der Welt: 8 Dollar monatlich (bei Wochenarbeitszeiten von 45 Stunden), d.h. rund 4 amerikanische Cents pro Stunde (...)' stellt die Economist Intelligence Unit fest, eine Untergruppe der Herausgeber des 'Economist'. Im übrigen gibt es in Burma keine Gewerkschaften, sie sind vom Regime verboten. Trotz all dieser Vorteile haben viele Multis ihre Koffer bereits wieder gepackt, so Levi Strauss: 'Es ist nicht möglich geschäftlich tätig zu sein (in Burma) ohne die Militärregierung und ihre permanenten Menschenrechtsverletzungen direkt zu unterstützen.' Tatsächlich kontrollieren die Militärs beinah sämtliche Produktionsmittel, vom Boden bis zur Elektrizität. 16% des Einkommens aus dem Export von Kleidungsstücken gehen direkt in die Kasse des Verteidigungsministeriums.
Allgegenwärtige Militärs
Triumph ist eine internationale Gesellschaft deutschen Ursprungs, welche sich im aargauischen Zurzach niedergelassen hat. Trotz ihrer Grösse (Umsatz 2,38 Milliarden Franken im Jahr 1999, rund 36'000 Angestellte weltweit) ist sie ein Familienunternehmen geblieben, Eigentümer sind die Familien Spiesshofer und Braun. Die Geschäfte scheinen gut zu gehen, die Direktion hat im August 2000 ihre Profite als 'aussergewöhnlich befriedigend' bezeichnet. Es ist der asiatische Zweig, Triumph International (Overseas), welcher 1996-1997 über die Eröffnung einer Niederlassung in Myanmar (wie die militärischen Putschisten das Land umgetauft haben) verhandelt hat. Die Kader von Triumph International (Overseas) reisten an den Sitz der Union of Myanmar Economic Holdings (UMEH) in die Hauptstadt Rangoon. Dieser befand sich damals an der gleichen Adresse wie die Einkaufszentrale für Waffen des Verteidigungsministeriums (Directorate of Procurement, Defence Ministry). Nicht weiter erstaunlich wenn man weiss, dass die Aktionäre der UMEH, einer 'öffentlichen Aktiengesellschaft' niemand anderes sind als die Einkaufszentrale, das Verteidigungsministerium, die 'Militärinstitutionen der Regimente' oder irgendwelche andere Angehörige des Verteidigungsdepartements oder der Kriegsveteranen (juristische oder natürliche Personen), gemäss dem Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1995-96, herausgegeben von der UMEH. Die Vertreter von Triumph haben bestimmt Oberst Aung Saun getroffen, den Direktor der UMEH, dessen Alltagsanzug die Militäruniform ist, wie Phil Robertson sagt. Dieser ist Mitglied des American Center for International Labor Solidarity, einer amerikanischen NGO in Bangkok, und hat sich im selben Jahr als potentieller Investor ausgegeben. Im übrigen sind alle Mitglieder des Verwaltungsrates von UMEH Militärpersonen. Die Holding hat als offiziellen Zweck 'den Unterhalt von Militärpersonen und deren Familien, die logistische Unterstützung der Armee durch den etappenweisen Aufbau einer Industrie und die Verfolgung der vier wirtschaftlichen Ziele, die vom Staat gesetzt wurden.'
Internationaler Druck
'Bis wir nicht ein politisches System haben, das den Rechtsstaat und demokratische Institutionen garantiert, wird keine Finanzhilfe und keine Investition unserem Volk nützen', urteilt Aung San Su Kyi, die berühmte Regimegegnerin, deren Partei aus den Wahlen von 1990 als Siegerin hervorging. Deshalb verlangt die Exilgewerkschaft FTUB den Rückzug von Triumph. Wolfgang Spiesshofer, Miteigentümer und Finanzchef der aargauischen Holding, hat deshalb am 3. Januar von den Verantwortlichen der Clean Clothes Kampagne (Fastenopfer, Erklärung von Bern, Brot für Alle) einen Brief erhalten mit der Aufforderung 'seine Investitionen in Burma zurückzuziehen'. Die Unterzeichner verweisen auf die lange Liste der internationalen Verurteilungen des Regimes in Burma. Die Vereinigten Staaten haben 1997 jegliche Neuinvestition in Burma verboten, und der Druck der Öffentlichkeit hat Pepsi, Heineken, Philips, Apple Computers, Ericsson und sogar WalMart dazu gebracht, sich aus dem Land zurück zu ziehen. Im April 2000 hat die Europäische Union ihre Massnahmen von 1996 verstärkt; die Ausstellung von Visa an burmesische Militärpersonen wurde verboten und die Einfrierung ihrer Guthaben im Ausland veranlasst. Im Juni 2000 setzte die Internationale Arbeitsorganisation eine einmalige Massnahme zur Verhinderung jeder Form von Zusammenarbeit mit der UNO in Gang mit dem Ziel, Myanmar zur Einhaltung der Konvention 29 über die Zwangsarbeit zu verpflichten, zu deren Unterzeichnern der Staat gehört. Schliesslich hat die Eidgenossenschaft am vergangenen 2. Oktober ähnliche Sanktionen wie jene der EU beschlossen. Diese Verurteilungen beziehen sich auf die Zwangsarbeit und die Verletzungen der Menschenrechte. Aber auch die laufende Ausbeutung der Arbeiter in den Fabriken (massive unbezahlte Überstunden, militärische Unterdrückung von Streikversuchen) ist sehr gut dokumentiert, insbesondere bei thailändischen und taiwanesischen Unternehmen sowie solchen aus Hongkong. Für Clean Clothes ist der Rückzug von Triumph deshalb eine Grundsatzfrage. ' Ganz abgesehen von der Frage der Arbeitsbedingungen in der Fabrik von Triumph ist es ihre Präsenz als solche, die das Regime stützt', erklärte Isabelle Chaudet, die Koordinatorin der Kampagne.
Man weiss nicht viel über die Arbeitsbedingungen bei Myanmar Triumph International. Ihre rund tausend Angestellten sollen 'mindestens 20 Dollar (monatlich) plus einen Bonus von USD 5.70 verdienen' hat Wolfgang Spiesshofer gegenüber 'L'Hebdo' bestätigt. Diese betont, dass der Staat seinen Beamten zwischen 10 und 40 Dollar bezahlt - natürlich ohne die Einkünfte aus Korruption. Zum Vergleich: Die Löhne in der Textilindustrie von Kambodscha bewegen sich um 40 Dollar. Man möchte gerne wissen, ob die Arbeitszeiten bei Triumph (48 Wochenstunden) eingehalten und die Überstunden bezahlt werden. Aber nur Gewerkschafter könnten dies bezeugen. Hat es überhaupt eine Gewerkschaft bei Myanmar Triumph International? 'Wie Sie mir sagten, sind diese dort verboten, und unsere Filiale würde sicher nichts Illegales tun', antwortete Wolfgang Spiesshofer.
'Wir beabsichtigen nicht, unsere rund tausend Mitarbeiter zu entlassen (..)', erwiderte Wolfgang Spiesshofer am 8. Januar den Vertretern von Clean Clothes und erklärte, dass diese Arbeiter nicht für die politische Lage im Land verantwortlich gemacht werden könnten. Offensichtlich gedenkt der Herr über feine Damenwäsche nicht, in die Fussstapfen von Reebok zu treten, die sich bereits zurückgezogen haben mit der Erklärung: 'Wir glauben nicht, dass unsere Normen hinsichtlich Menschenrechte bei einer Geschäftstätigkeit in Burma ausreichend angewendet werden könnten.'
Allgegenwärtige Militärs
Triumph ist eine internationale Gesellschaft deutschen Ursprungs, welche sich im aargauischen Zurzach niedergelassen hat. Trotz ihrer Grösse (Umsatz 2,38 Milliarden Franken im Jahr 1999, rund 36'000 Angestellte weltweit) ist sie ein Familienunternehmen geblieben, Eigentümer sind die Familien Spiesshofer und Braun. Die Geschäfte scheinen gut zu gehen, die Direktion hat im August 2000 ihre Profite als 'aussergewöhnlich befriedigend' bezeichnet. Es ist der asiatische Zweig, Triumph International (Overseas), welcher 1996-1997 über die Eröffnung einer Niederlassung in Myanmar (wie die militärischen Putschisten das Land umgetauft haben) verhandelt hat. Die Kader von Triumph International (Overseas) reisten an den Sitz der Union of Myanmar Economic Holdings (UMEH) in die Hauptstadt Rangoon. Dieser befand sich damals an der gleichen Adresse wie die Einkaufszentrale für Waffen des Verteidigungsministeriums (Directorate of Procurement, Defence Ministry). Nicht weiter erstaunlich wenn man weiss, dass die Aktionäre der UMEH, einer 'öffentlichen Aktiengesellschaft' niemand anderes sind als die Einkaufszentrale, das Verteidigungsministerium, die 'Militärinstitutionen der Regimente' oder irgendwelche andere Angehörige des Verteidigungsdepartements oder der Kriegsveteranen (juristische oder natürliche Personen), gemäss dem Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1995-96, herausgegeben von der UMEH. Die Vertreter von Triumph haben bestimmt Oberst Aung Saun getroffen, den Direktor der UMEH, dessen Alltagsanzug die Militäruniform ist, wie Phil Robertson sagt. Dieser ist Mitglied des American Center for International Labor Solidarity, einer amerikanischen NGO in Bangkok, und hat sich im selben Jahr als potentieller Investor ausgegeben. Im übrigen sind alle Mitglieder des Verwaltungsrates von UMEH Militärpersonen. Die Holding hat als offiziellen Zweck 'den Unterhalt von Militärpersonen und deren Familien, die logistische Unterstützung der Armee durch den etappenweisen Aufbau einer Industrie und die Verfolgung der vier wirtschaftlichen Ziele, die vom Staat gesetzt wurden.'
Internationaler Druck
'Bis wir nicht ein politisches System haben, das den Rechtsstaat und demokratische Institutionen garantiert, wird keine Finanzhilfe und keine Investition unserem Volk nützen', urteilt Aung San Su Kyi, die berühmte Regimegegnerin, deren Partei aus den Wahlen von 1990 als Siegerin hervorging. Deshalb verlangt die Exilgewerkschaft FTUB den Rückzug von Triumph. Wolfgang Spiesshofer, Miteigentümer und Finanzchef der aargauischen Holding, hat deshalb am 3. Januar von den Verantwortlichen der Clean Clothes Kampagne (Fastenopfer, Erklärung von Bern, Brot für Alle) einen Brief erhalten mit der Aufforderung 'seine Investitionen in Burma zurückzuziehen'. Die Unterzeichner verweisen auf die lange Liste der internationalen Verurteilungen des Regimes in Burma. Die Vereinigten Staaten haben 1997 jegliche Neuinvestition in Burma verboten, und der Druck der Öffentlichkeit hat Pepsi, Heineken, Philips, Apple Computers, Ericsson und sogar WalMart dazu gebracht, sich aus dem Land zurück zu ziehen. Im April 2000 hat die Europäische Union ihre Massnahmen von 1996 verstärkt; die Ausstellung von Visa an burmesische Militärpersonen wurde verboten und die Einfrierung ihrer Guthaben im Ausland veranlasst. Im Juni 2000 setzte die Internationale Arbeitsorganisation eine einmalige Massnahme zur Verhinderung jeder Form von Zusammenarbeit mit der UNO in Gang mit dem Ziel, Myanmar zur Einhaltung der Konvention 29 über die Zwangsarbeit zu verpflichten, zu deren Unterzeichnern der Staat gehört. Schliesslich hat die Eidgenossenschaft am vergangenen 2. Oktober ähnliche Sanktionen wie jene der EU beschlossen. Diese Verurteilungen beziehen sich auf die Zwangsarbeit und die Verletzungen der Menschenrechte. Aber auch die laufende Ausbeutung der Arbeiter in den Fabriken (massive unbezahlte Überstunden, militärische Unterdrückung von Streikversuchen) ist sehr gut dokumentiert, insbesondere bei thailändischen und taiwanesischen Unternehmen sowie solchen aus Hongkong. Für Clean Clothes ist der Rückzug von Triumph deshalb eine Grundsatzfrage. ' Ganz abgesehen von der Frage der Arbeitsbedingungen in der Fabrik von Triumph ist es ihre Präsenz als solche, die das Regime stützt', erklärte Isabelle Chaudet, die Koordinatorin der Kampagne.
Man weiss nicht viel über die Arbeitsbedingungen bei Myanmar Triumph International. Ihre rund tausend Angestellten sollen 'mindestens 20 Dollar (monatlich) plus einen Bonus von USD 5.70 verdienen' hat Wolfgang Spiesshofer gegenüber 'L'Hebdo' bestätigt. Diese betont, dass der Staat seinen Beamten zwischen 10 und 40 Dollar bezahlt - natürlich ohne die Einkünfte aus Korruption. Zum Vergleich: Die Löhne in der Textilindustrie von Kambodscha bewegen sich um 40 Dollar. Man möchte gerne wissen, ob die Arbeitszeiten bei Triumph (48 Wochenstunden) eingehalten und die Überstunden bezahlt werden. Aber nur Gewerkschafter könnten dies bezeugen. Hat es überhaupt eine Gewerkschaft bei Myanmar Triumph International? 'Wie Sie mir sagten, sind diese dort verboten, und unsere Filiale würde sicher nichts Illegales tun', antwortete Wolfgang Spiesshofer.
'Wir beabsichtigen nicht, unsere rund tausend Mitarbeiter zu entlassen (..)', erwiderte Wolfgang Spiesshofer am 8. Januar den Vertretern von Clean Clothes und erklärte, dass diese Arbeiter nicht für die politische Lage im Land verantwortlich gemacht werden könnten. Offensichtlich gedenkt der Herr über feine Damenwäsche nicht, in die Fussstapfen von Reebok zu treten, die sich bereits zurückgezogen haben mit der Erklärung: 'Wir glauben nicht, dass unsere Normen hinsichtlich Menschenrechte bei einer Geschäftstätigkeit in Burma ausreichend angewendet werden könnten.'




