Olympia-Kampagne 2004
Zurück Druckbare Version Diese Seite weiterleiten


Zwischenbericht zur Kampagne «Play Fair bei Olympia»  (02.08.04)
Die Menschlichkeit feiern!
Fünf griechische Götter besuchten Wien
“Ihr besitzt keine menschliche Größe, solange Ihr nicht verstanden habt, dass der stärkste Muskel das Herz ist. Für mich ist das die Seele der Olympischen Spiele.“ Andrea Bocelli, Offizieller Olympia- Botschafter


Bocelli und andere offizielle Olympia-Botschafter erscheinen in einer weltweit ausgestrahlten Werbekampagne im Fernsehen und drängen uns, „die Menschlichkeit zu feiern – to celebrate humanity“.

Diese Herausforderung angenommen haben in weltweit über 50 Ländern die Organisationen, die sich der „Play Fair bei Olympia“-Kampagne angeschlossen haben. Niemand von ihnen hat viel Geld – klar dass sich da niemand TV-Werbung leisten kann. Doch mit Kreativität, mit ihren Körpern und Herzen stehen sie für bessere Arbeitsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie ein. Am 13. August 2004 werden in Athen die Olympischen Spiele eröffnet – die Zeit soll genutzt werden, um die olympische Bewegung und die Sportartikelmarken zu überzeugen, dass es notwendig ist, einen branchenweiten Aktionsplan zu formulieren und umzusetzen. Informieren Sie sich über die weltweit stattfindenden Aktionen der Kampagne.

Stand der Kampagne in der Schweiz
13.6.2004: Eine Frauengruppe von Attac Bern läuft am Berner Frauenlauf (10 km) für die Kampagne.
In den ersten vier Monaten der Kampagne wurden Weltweit 294.000 Unterschriften auf Postkarten, Unterschriftensammlungen und per Internet zusammengetragen. Aus der Schweiz konnten davon 1487 Unterschriften beigesteuert werden. Ausserdem wurde der Appell ans IOK bereits von 44 Gruppen mit total 8290 Mitgliedern unterzeichnet. Jede weitere Unterschrift dokumentiert, dass eine verbindliche Regelung und ein Aktionsplan im öffentlichen Interesse ist.

Die Ziele der „Play Fair bei Olympia“-Kampagne wurden auch den Marktführern im Schweizer Sportdetailhandel und dem Schweizer NOK vorgelegt und um Stellungnahme gebeten. Eine Antwort auf unsere Briefe ist vom Schweizer NOK, den Swiss Olympics, und von SportXX (Migros) eingetroffen. Beide haben sie die Anliegen der Kampagne unterstützt.

Für die Swiss Olympics soll jedoch die Beeinflussung des Weltmarktes nicht Sache der Olympischen Bewegung selbst sein sondern in erster Linie über das Verhalten der Konsumierenden stattfinden. Deshlab würden sie die Einführung eines Labels begrüssen. Abgesehen von der eigenen Ethik Charta – die von der Ethik im Sport handelt aber keine internationalen Mindeststandards anerkennt - sehen sie keinen Bedarf für eine verbindlichere Regelung der Sponsoringpraxis und der Lizenzvergabe. Eine Intervention beim IOK im Hinblick auf den Aktionsplan wird im Brief vom 13. Mai 2004 nicht erwähnt.

SportXX/Migros betont im Schreiben vom 21. Juni 2004, dass sie von der Notwendigkeit eines Aktionsplanes in der Bekleidungsindustrie überzeugt sind. Deshalb arbeite die Migros bei der Umsetzung des BSCI-Standards mit anderen Unternehmen und der Internationalen Arbeitsorganisation der UNO (ILO) zusammen. Aus Risikoländern wie Burma würden im Moment keine Waren bezogen.

Bisher nicht auf die Anfrage reagiert haben Athleticum, Intersport und Dosenbach/Ochsner Sport. Sie haben noch einige Tage Zeit, ihre Haltung zu formulieren.

Antworten der Sportfirmen auf die Kampagne
Senden Sie Fila und Kappa eine E-Mail von der Kampagnen-Website
Während das Internationale Olympische Komitee nicht antwortet, nehmen immer mehr Unternehmen den Dialog mit der internationalen Kampagne auf. Umbro hat kürzlich Kampagnenvertreter getroffen und zugestimmt, Schritte zur Verbesserung seines Programms zur Einhaltung seines Verhaltenkodexes zu unternehmen und sich mit „Play Fair“-Kampagnen-Partnern in Indonesien und Bulgarien zu treffen. Lotto scheint bereit zu sein, seine Einkaufspolitiken zu überprüfen, lehnt es aber immer noch ab, sich beim ausstehenden Fall der PT Busana Fabrik zu bewegen. Das Unternehmen beruft sich darauf, dass Aufträge, die seine Lizenznehmer vergeben, nicht zu Lottos Verantwortung gehören. Asics hat sich kürzlich mit der niederländischen Clean Clothes Campaign getroffen. Obwohl das Treffen konstruktiv verlief, scheint der Asics-Vorstand eher an der öffentlichkeitswirksamen Seite der Kampagne interessiert zu sein als am tatsächlichen Einsatz für die Verbesserung der Arbeitsrechte. Trotz all unserer Kampagnenarbeit lehnen es Fila und Kappa weiterhin ab, sogar nur darüber zu sprechen. Eindeutig brauchen Fila und Kappa IHREN DRUCK vor ihren Kaufhäusern, Einkaufszentren und Büros, oder Ihren Telefonanruf bei einer örtlichen Filiale. Ideen finden Sie im Kampagnenbaukasten der internationalen Kampane.

Viel Glück den wahren Olympioniken!
Franco Marvulli, Profi-Radrennfahrer (Bahnweltmeister 2003; Olympia-Teilnehmer 2004) aus Zürich
Während der Beginn der Spiele sich näher rückt, wünschen wir allen olympischen Athleten viel Glück bei ihren Vorbereitungen - jedoch besonders denjenigen, die den Mut hatten, die Menschenrechte der Frauen und Männer, die Sportbekleidung herstellen, zu unterstützen. Die spanische Schwimmerin Gemma Mengual hat eine große Chance auf eine Medaille im Synchronschwimmen. So auch Franco Marvulli, der Profi-Radfahrer und Bahnweltmeister im 2003 aus Zürich: «Hungerlöhne sind nicht fair. Da sollten Sportartikelhersteller nicht mitspielen!“

Selbstverständlich schätzen wir auch die Unterstützung der früheren Olympiateilnehmer und anderen Athleten wie Miguel Indurain (Spanien), Bruce Kidd und Beckie Scott (Kanada), Didier Deschamps, Opata Diedonné, Christophe Fayard, Alain Portes, Laurent Puiségur, Franck Rizzetto (Frankreich), Dietmar Mücke (Deutschland), Graeme Bond und Sarah Houbolt (Australien).

Höhepunkte des alternativen olympischen Fackellaufs
Zum Besuch der olympischen Fackel fand am 24. Juni 2004 in Lausanne eine Strassenaktion statt.
Während die olympische Flamme ihren offiziellen Lauf um die Welt machte, wurde sie mit inoffiziellen Feiern im wahren olympischen Geist begrüßt. Vortragsreisen, Pyrokünstler, griechische Götter, Body-Painting, Straßentheater, Stegreifkomödien, öffentliche Debatten, gymnastische Vorführungen, Demonstrationen, Kurzgeschichtenwettbewerbe, musikalische Vorführungen, riesige Patchworkdecken und Reden von Politikern, Athleten, Schauspielerinnen und Models haben alle diesen weltweiten Aufruf an die Sportmarken und das Internationale Olympische Komitee unterstützt, das olympische Ideal zu befolgen. Auch in der Schweiz fand dazu eine Aktion statt: Zum Besuch der olympischen Fackel am Hauptsitz des IOK am 24. Juni fand in Lausanne eine Strassenaktion statt.



Mehr zum Thema

Verwandte Themen
  Appell