Nestlés Cocoa Plan: Fragwürdiger Begriff von Nachhaltigkeit
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Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat kürzlich seinen «Cocoa Plan» publiziert. Dieser verspricht mehr Nachhaltigkeit im Kakaohandel.

Die dazugehörige Website erzählt die Geschichte von der Herkunft des Kakaos, wie Schokolade gemacht wird, wie die Pflanze erforscht wird, wie Bauernfamilien in Afrika weitergebildet werden und wie sie ihr Einkommen erhöhen können. Auf den ersten Blick liest sich das wie ein modernes Nachhaltigkeitsmärchen - doch wie ernst ist das neu gewonnene Problembewusstsein Nestlés wirklich gemeint?

Gut inszenierte Pflästerlipolitik

Nestlé benennt zwar das mit grundlegenden Problemen behafteten Kakaogeschäft:
  • Die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bauernfamilien,
  • die miserable Qualität der Kakaobohnen
  • und der zunehmende Mangel an Kakaobohnen weltweit.

Als Lösung dieser Probleme inszeniert der Konzern mit dem «Cocoa Plan» jedoch lediglich eine selbstgefällige Pflästerlipolitik. Ob der «Cocoa Plan» reicht, um den Kakaobedarf von Nestlé langfristig zu decken, bleibt abzuwarten. Ob er reicht, um den Bauernfamilien zu einem dauerhaft besserej Lebensstandard zu verhelfen, darf bezweifelt werden. Denn die Kernforderung der Bauern und Bäuerinnen nach einem Mindestpreis fehlt Plan.

Wie nachhaltig ist der «Cocoa Plan» tatsächlich?

Nur ein Mindestpreis und eine stabile Preispolitik würde es den Bauern erlauben, langfristig zu planen und eigene Investitionen zu tätigen. Das ist in der aktuellen Situation jedoch nicht möglich.

Die verschiedenen Initiativen, die Nestlé mitfinanziert, beinhalten Projekte zur Aus- und Weiterbildung der Bäuerinnen und Bauern. Der Konzern hat ausserdem vor, 12 Millionen Setzlinge von resistenteren Kakaobäumen zu verteilen, die den Bauern qualitativ besseren Kakao liefern sollen. Zu diesem Zweck hat Nestlé das neue Forschungszentrum in der Elfenbeinküste eröffnet.

Das klingt vielversprechend. Wer allerdings die Nestlé-Setzlinge zu welchen Bedingungen bekommt, ist nicht klar. Dass die Bauern verpflichtet sind, ihre künftige Ernte an Nestlé abzutreten, steht hingegen fest. Der Konzern verspricht zwar, einen höheren Preis zu bezahlen, wenn er qualitativ hochstehenden Kakao bekommt. Ohne Mindestpreis kann aber auch der Preis von Qualitätskakao ins Unermessliche sinken, denn der Weltmarkpreis wird bestimmt von einigen wenigen multinationalen Nahrungsmittelunternehmen, zu denen auch Nestlé gehört.

Wissenskluft schafft Abhängigkeit

Wie und wem das Wissen des neuen Forschungszentrums vermittelt wird, ist nicht bekannt. Wenn die Bauern und Bäuerinnen aus dieser Wissensvermittlung ausgegrenzt werden, besteht die Gefahr, dass die Wissenskluft zwischen den Bauernfamilien und dem Verarbeitungs- und Handelssektor noch grösser wird und dass sich dadurch die Machtverhältnisse auf dem Markt noch stärker zu Ungunsten der Anbauenden verschieben.

In Westafrika leben ca. 2 Mio. Kakaobauern, die kaum vernetzt sind. Sie stehen 5-10 transnationalen Verarbeitungs- und Handelsfirmen gegenüber, deren Markt-, Geschäfts- und Forschungskenntnisse gebündelt einsetzbar sind. Die Wissenskluft verstärkt das Abhängigkeitsverhältnis der Bauern zu den Abnahmekonzernen.

Nestlé bleibt Teil des Problems

Die bereits vorhandene Wissenskluft zwischen Kakao- und Schokoladeproduzenten, die Monopolisierung des Marktes durch ein halbes Dutzend Abnehmer, die daraus resultierende Abhängigkeit der Kakaobauern sowie das Fehlen einer stabilen Preisstruktur führen heute dazu, dass die Bauern nicht vom aktuell hohen Kakaopreis profitieren können.

Solange keine grundlegenden Veränderungen an dieser Situation angestrebt werden, können die Kakaobauern und ihre Familien ihre Zukunft nicht nachhaltig sichern.

Nachhaltig ist der «The Cocoa Plan» also nicht. Nestlé bleibt somit Teil des Problems.




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